Ich bin ein schlichtes Gemüt, akademische Abhandlungen über praktische Fragen des Alltags sind meine Sache nicht. Das heißt aber nicht, dass ich mir nicht auch meine Gedanken mache – ich mag eine Sache nur nicht gern „kaputtreden“ oder „kaputtdenken“. Nun werdet Ihr Euch (hoffentlich) fragen, was mir weinmäßig diesmal auf der Seele brennt. Ich will es Euch sagen. Ich frage mich nämlich schon seit geraumer Zeit, warum es für Weine kein Mindesthaltbarkeitsdatum gibt.
Nein, jetzt bitte keinen Aufschrei und bitte auch nicht mit den Augen rollen! Mir ist ja klar, dass kein Winzer dieser Welt auf Tag, Monat und Jahr genau sagen kann, wann ein Wein seinen geschmacklichen Zenit erreicht hat oder wann er ihn so weit überschritten hat, dass er eigentlich schon nicht mehr genießbar ist. Wir müssen heute und an dieser Stelle auch nicht über Lagerbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und worauf es sonst noch alles so ankommt, sprechen. Ich wünsche mir schlicht auf Weinetiketten einen Hinweis, ob der betreffende Tropfen jung getrunken werden möchte, ob ich ihn bedenkenlos ein bis zwei Jahre liegen lassen kann, oder ob er gar erst frühestens fünf Jahre nach der Abfüllung geöffnet werden sollte. Das wäre doch eine hilfreiche Maßnahme der Weinwirtschaft, was meint Ihr?
Da mein Wunsch ein frommer bleiben und wohl nie erfüllt werden wird, habe ich mich selbst auf die Suche nach Richtlinien gemacht. Dafür habe ich nicht nur fleißig im Internet gesurft, sondern habe mich auch das erste Mal seit Jahren wieder zur Stadtbibliothek begeben und dort diverse Weinbücher „befragt“. Wenn Euch das Ergebnis meiner Suche interessiert, dann lest bitte weiter. Ihr wisst, ich teile gern mit Euch! Ein paar Erfahrungen aus meinen eigenen „empirischen Studien“ habe ich übrigens auch einfließen lassen.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Es gibt Weine, die sind dafür gemacht, ganz jung, ganz frisch getrunken zu werden. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, einen Heurigen ein paar Jahre „reifen“ zu lassen. Superfrische Weine, die auch genauso konsumiert werden wollen, gibt es sowohl als Weiß- als auch als Rotwein. Dankenswerterweise erkennt man diese Art von Wein meist schon am Namen. Falls Ihr noch Novizen seid, hier ein paar Synonyme: Federweißer, Sturm, Nouveau, Novello, Primeur. Damit hat sich die Liste derer, die ganz einfach abzuhaken sind, dann allerdings auch schon erschöpft.
Für die nächste Stufe schalten wir den gesunden Menschenverstand ein. Der sagt uns, dass preiswerte Massenweine im Weinkeller nichts zu suchen haben. Also Leute, wenn Ihr für die nächste Grillparty Euren Wein in Kartons statt in Flaschen gekauft habt und etwas übrig bleiben sollte, dann trinkt das Zeug möglichst noch diesen Sommer aus. Auch Flaschenweine mit der Etikettierung „Landwein“ oder „Tafelwein“ sind für den schnellen Konsum gedacht. Doch selbst einige Weine, für die man schon ein wenig tiefer in die Tasche greifen muss, sind für den Weinkeller tabu. So müsst Ihr zum Beispiel mit Roséweinen vorsichtig sein, sie können übrigens manchmal auch unter der Bezeichnung „Blush“ (von engl. erröten) firmieren.
So, jetzt haben wir abgehakt, was nicht gelagert werden sollte. Beim nächsten Mal melde ich mich mit meinen Weisheiten, was dagegen im Weinkeller oder im Weinregal willkommen ist. Vor allem Rotweinfans können sich auf gute Tipps freuen.










