Ihr seid inzwischen ja schon ein wenig mit mir herum gekommen, da haben wir alle heute bei unseren Weinwanderungen ein wenig Abwechslung verdient. Müssen es eigentlich immer die Berge sein, habe ich mich gefragt, als ich die heutige Wandertour ausgesucht habe. Nicht, dass ich nicht ab und an gern ein wenig kraxle. Das ist gut fürs Herz und für den Kreislauf. Aber da eine Wanderung sowieso schon eine Menge für die Gesundheit und die Fitness tut, können wir auch mal auf schweißtreibende Steigungen verzichten. Es geht also in flachere Gefilde, heute wandern wir durch Deutschlands nördlichstes Weinbaugebiet Saale-Unstrut.
Wer sich hier in Sachen Wein auf Schusters Rappen begeben möchte, der sollte sich ein wenig vorbereiten. Das Wegenetz dieser Region umfasst rund 700 Kilometer – selbst für einen strammen Tagesmarsch wäre das eindeutig ein bisschen zu viel. Ich habe mich deshalb zum Auftakt auf eine Etappe beschränkt, die man bequem entweder an einem Vormittag oder an einem Nachmittag bewältigen kann und auf der es ordentlich etwas zu sehen gibt. Eine Weinwanderung zu unternehmen bedeutet für mich neben der körperlichen Bewegung auch immer, mehr über Wein, Weinkultur und Weingeschichte zu erfahren. Die Strecke, die ich vorschlage, ist rund 14 Kilometer lang und beansprucht zwischen vier und fünf Stunden. Es kommt drauf an, wie lang Eure Pausen sind und wie gut Ihr zu Fuß seid. Apropos zu Fuß. Die Wanderwege in der Region Saale-Unstrut sind so angelegt, dass man sie auch mit dem Fahrrad erwandern kann. Für alle, die nicht so gern laufen, könnte das doch eine echte Alternative darstellen.
Ich aber lasse meinen Drahtesel im Stall und ziehe meine Wanderschuhe an. Ausgangspunkt der Tour ist die stolze Domstadt Naumburg. Übernächstes Jahr feiern die Naumburger ihr 1000-jähriges Bestehen, denn ihre Stadt wurde erstmals 1012 erwähnt. Schon jetzt merkt man ihr an, dass sie bis dahin mächtig herausgeputzt werden soll. Ihr Glanzstück ist der Dom mit den berühmten Stifterfiguren, vor allem der schönen Uta. Ob die vor 1000 Jahren schon Wein getrunken hat, weiß ich nicht, deshalb halte ich mich lieber an den ersten Stopp auf unserem Weg, die „Naumburger Wein- und Sektmanufaktur“. Das ist nicht irgendeine Manufaktur, sondern die älteste Deutschlands, in der seit 1824 Sekt vom Feinsten produziert wird. Ehrensache, dass man hier die Erzeugnisse des Hauses auch probieren kann. Übrigens, Saale-Unstrut ist bekannt für seine Schaumweine, später werden wir auch noch an der Sektkellerei „Rotkäppchen“ vorbeikommen. Diese Marke gehört zu den wenigen, die den Zusammenbruch der DDR überstanden und sich erfolgreich in der westlichen Warenwelt behauptet hat. „Behauptet“? Da untertreibe ich wohl etwas. Rotkäppchen-Sekt ist Kult; vor allem bei jungen Leuten. Selbst, wenn man kein Freund von Schaumwein ist, sollte man sich die Kellerei nicht entgehen lassen. Ihre Sektkeller liegen auf fünf Stockwerken, die in den Fels getrieben wurden; de gesamte Anlage aus dem Jahr 1856 ist denkmalgeschützt.
Auf dieser Wanderung kommt man übrigens auch an dem Zusammenfluss der Saale und der Unstrut vorbei, die der Region ihren Namen gegeben haben. Sie endet in Freyburg, der Heimatstadt von Turnvater Jahn. Der wäre bestimmt mit dieser Route zufrieden gewesen.










