Russland
Russland hat eine absolut faszinierende Weingeschichte, die von der Wiege des Weinbaus in Transkaukasien bis hin zu den glanzvollen Höfen des Zarenreiches reicht. Ganz aktuell allerdings leidet die Weinwirtschaft noch unter den Folgen der Perestroika. Deren geistiger Vater, Michail Gorbatschow, wollte den ungeheuren Alkoholismus im Lande bekämpfen und nicht nur den Konsum, sondern folgerichtig auch die Produktion von alkoholischen Getränken im Land einschränken. Er initiierte deshalb ein umfangreiches Programm zur Rodung von Rebflächen. Vor allem auf der Krim, einem der Herzstücke des russischen Weinbaus, hat das tiefe Narben hinterlassen, die heute zwar verblasst, aber nicht verschwunden sind. Den Alkoholkonsum soll Gorbatschow mit diesem Aspekt seiner Politik übrigens nur unwesentlich beeinflusst haben.
Russland, das selbst nach dem Zerfall der Föderation noch ein riesiges Land ist, wird von unterschiedlichen Klimazonen beeinflusst und bietet in vielen Gebieten hervorragende Bedingungen für den Weinbau. Als es die UdSSR noch gab, war sie der drittgrößte Weinproduzent der Welt. Doch all das ist Geschichte. Heute beträgt die Rebfläche deutlich unter 90.000 Hektar, von der über 90 Prozent im Nordkaukasus angesiedelt sind. Es werden sowohl rote als auch weiße Weine gekeltert, die jedoch kaum in den Export kommen. Lediglich der Schaumwein von der Krim („Krimsekt“) hat bislang sowohl in Rot als auch in Weiß den Sprung zurück in den internationalen Handel geschafft.
Den Bemühungen der Winzer tut das aber keinen Abbruch, sondern ist es eher Ansporn . Sie arbeiten mit Ehrgeiz und Experimentierfreude daran, bald wieder an den internationalen Markt anschließen zu können. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Versuch, der derzeit in Sibirien läuft. Dort will man mit Chardonnaysetzlingen aus Frankreich neue Wege beschreiten. Bislang haben viele der Testpflanzen die unwirtlichen winterlichen Bedingungen der Region Altai gut überstanden. Die Winzer werden mit französischem Weinwissen unterstützt, doch ob das Experiment Erfolg hat, steht noch nicht fest. Die erste Ernte ist erst für den Herbst 2011 eingeplant.









