Württemberg

Im Weinbaugebiet Württemberg hat der Rotweinfan das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Aus dieser Region, die mit ihren rund 11500 Hektar Rebfläche das viertgrößte Weinbaugebiet in Deutschland darstellt, kommen zu über 65 Prozent Rotweine, die dem Gebiet eine ganz eigene Prägung verleihen.

Anders als anderswo sind es in Württemberg weder der Spätburgunder noch der Dornfelder, die die Rangliste der am häufigsten gepflanzten roten Rebsorten anführen. Das sonnige Weinland im Süden Deutschlands, das sich durch Teile Baden-Württembergs und Bayerns erstreckt, erfreut mit seinen leichten, hellroten Trollingern, die zu den seltenen roten Durstlöschern und Sommerweinen gezählt werden dürfen. Wer es kräftiger mag, der wählt einen Lemberger oder einen Portugieser, einen Schwarzriesling oder einen Spätburgunder, den es selbstverständlich auch gibt. Die Weine Württembergs sind so vielfältig und auch so gut, dass der Pro-Kopf-Verbrauch der Einheimischen hier doppelt so hoch ist wie überall sonst im Land. Einen überzeugenderen Qualitätsbeweis wird man lange suchen müssen.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich die Struktur im Weinbau Württembergs grundlegend gewandelt. Noch in den siebziger Jahren gab es quasi in jedem Ort eine gemeinschaftlich genutzte Kelter. Diese Zeiten sind vorbei, heute wird der württembergische Wein von einer neuen Generation privater Winzer geprägt, die ehrgeizig auf nationalem, aber auch auf internationalem Parkett mitspielen wollen. Das gelingt in zunehmendem Maße und trifft sowohl für die Rotweine als auch für die Weißweine aus diesem Gebiet zu.

Bei den weißen Rebsorten führen wie anderswo auch die Klassike – allen voran Riesling, gefolgt von Müller-Thurgau, Silvaner und Kerner. Mögen die Rebsorten auch die gleichen sein, wenn sie in Württemberg kultiviert werfen, bringen sie doch alle Weine mit einem eigenen Charakter hervor, der oft als „kräftig und kernig“ beschrieben wird. Das hat nicht zuletzt mit den fruchtbaren vulkanischen Böden zu tun, auf denen die Reben in heißen Sommern und einem langen und warmen Herbst gedeihen. Diese Voraussetzungen verleihen auch den Rotweinen ihr eigenes Gepräge.