Saale-Unstrut

Deutschlands nördlichstes Weinbaugebiet ist gleichzeitig auch das am nördlichsten gelegene Weinbaugebiet Europas. Es schlängelt sich entlang den Flüssen Saale und Unstrut und umfasst etwa 650 Hektar Rebfläche. Der Löwenanteil davon entfällt auf das Bundesland Sachsen mit etwa 605 Hektar, dann folgt das Bundesland Thüringen mit rund 40 Hektar und kleine sechs Hektar befinden sich im Bundesland Sachsen-Anhalt. Ein Viertel der gesamten Rebfläche ist heute mit Rotweinreben bestückt, die Tendenz ist dabei steigend.

Im wiedervereinigten Deutschland ist Saale-Unstrut zunächst mal ein junges Weinbaugebiet, obwohl es insgesamt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurückblicken kann. Jung wollen auch die meisten Weine getrunken werden, die von hier stammen. Ob Muller-Thurgau oder Silvaner, ob Grauburgunder oder Weißburgunder – die „nördlichen“ Weine werden trocken und krisp ausgebaut und eignen sich gut als frische, sommerliche Durstlöscher oder Begleiter zu sommerlichen, leichten Speisen. Das gilt allerdings weniger für die Rotweine. Bei ihnen führt die Rebsorte Dornfelder, gefolgt vom Blauen Portugiesen, dem Spätburgunder und dem Blauen Zweigelt. Seit Kurzem wird auch vermehrt Regent mit Erfolg angebaut.

Ganz einfach haben es die Winzer in Deutschlands nördlichstem Anbaugebiet nicht. Hier muss jeder Sonnenstrahl ausgenutzt werden und oft gefährden späte Nachtfröste die Ernte. Die Rebstöcke werden deshalb fast ausschließlich in Südlagen gepflanzt sowie auf Sandsteinterrassen, die tagsüber die Wärme speichern und sie nachts dann an die Reben abgeben. Andererseits sorgen die langen Reifezeiten für einen ganz unverwechselbaren Geschmack und Charakter, der den Tropfen von Saale-Unstrut ihre Frische, ihre Leichtigkeit und Eleganz verleiht.

Historisch gesehen hat die Region viel Auf und Ab im Weinbau erlebt, vor allem die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges setzten ihr mächtig zu. Später brachte das Jahr 1997 sogar fast das Aus für den Weinbau an Saale und Unstrut. Damals machten sich die Rebläuse über die Reben her und die Region musste zu Deutschlands erstem Reblausseuchengebiet erklärt werden. Seit der Wende und der politischen Vereinigung beider deutscher Staaten geht es aber mit dem Weinbau wieder steil bergauf.