Franken

Weißweinschöne mit Rotweincharme

In den letzten Jahren hat sich in Franken eine interessante Entwicklung vollzogen. Mehr und mehr werden hier an den Ufern des Mains Reben für Rotwein angebaut. Rotwein im fast schon klassischen Weißweinland Franken? Ja, so ist es. Und nicht nur mengenmäßig legen die Roten in Franken zu, sondern auch qualitativ. Heute kommen bereits einige der besten deutschen Rotweine aus Franken. Als einer der Namen, die für diese Entwicklung stehen, kann zum Beispiel das Weingut Rudolf Fürst aus Burgstadt genannt werden, das unter der Bezeichnung „Parzival“ einen bemerkenswerten Spätburgunder keltert.

Zugegeben, seinen eigentlichen Ruf hat sich Franken über die Jahrhunderte durch seine bekömmlichen Weißweine erworben. Die Region erstreckt sich entlang des Mains und seiner kleinen Nebenflüsse etwa von Aschaffenburg bis nach Schweinfurt und zum Steigerwald und verfügt über deutlich mehr als 6000 Hektar Anbaufläche; die größten zusammenhängenden Areale befinden sich dabei in Unterfranken.

Frankens Weißweine werden durchweg trocken ausgebaut. Eine typische Rebsorte für Frankenweine ist die Müller-Thurgau-Rebe. Auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit hat sie einmal mehr als die Hälfte der gesamten fränkischen Rebfläche eingenommen. Damals löste sie die als eher schwierig geltende Silvaner-Rebe ab. Inzwischen aber befindet sich auch die Müller-Thurgau ein wenig auf dem Rückzug. Sie ist zwar immer noch die am häufigsten angebaute Sorte, doch langsam bekommt sie Konkurrenz. Die fränkischen Winzer drängen nämlich verstärkt auf den internationalen Markt und kultivieren dafür zunehmend Riesling sowie gern auch weißen und grauen Burgunder. Auf kleineren Flächen werden auch interessante neue Rebsorten wie Bacchus, Perle und Rieslaner angebaut.

Doch egal, wie experimentierfreudig die Winzer und die Winzergenossenschaften auch sind – fränkischer Wein bleibt mit seinem körperreichen, erdigen Geschmack unverwechselbar. Dazu trägt nicht zuletzt die Flasche bei, in die die edlen Tropfen abgefüllt werden. „Bocksbeutel“ wird die bauchige Form genannt, die seit einigen Jahren sogar per EU-Verordnung ausschließlich den weißen Frankenweinen vorbehalten ist. Die roten Frankenweine, die jetzt im Kommen sind, werden aber in schlanken Flaschen angeboten. Das ist nicht zuletzt deshalb so, weil sie für ein internationales Publikum produziert werden.